06 Nov

Hinter dem Wunder steckt harte Arbeit - eine ungehörte Geschichte

Hinter dem Wunder steckt harte Arbeit

Ungehörte Geschichte – das Wunder friedliche Revolution hatte einen Namen

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Am 8. Oktober 1989 deutet sich für den weiteren Verlauf der Demonstrationen ein Blutbad an. Die Demonstrationen in Berlin und Dresden wurden von der Polizei blutig niedergeschlagen. Die Weltöffentlichkeit erwartete ganz andere Nachrichten von der Demonstration in Leipzig am 9. November, dem Tag als 80.000 Bürger durch die Straßen zogen und für ihre Freiheit demonstrierten. Es wirkte und wirkt noch heute wie ein Wunder, dass diese große Demonstration friedlich verlief. Dahinter stand Christoph Wonneberger, der Pastor in der Lukaskirche in Leipzig war. Mit Friedensgebeten - den Montagsgebeten – war er  schon bekannt geworden, die bereits 1982 begannen. Schon als Student hatte er den Prager Aufstand 1968 gesehen, gesehen wie Panzer gegen Menschen eingesetzt wurden. Er war bei polnischen Aufständen (Perestroika) – immer wurden die Wünsche nach Freiheit mit Gewalt beantwortet. (Bild Panzer) Freiheit ohne Gewalt zu erwirken, wurde zu seinem innersten Ziel. So teilte er es am 1. November 2019 persönlich den Schülerinnen und Schülern des Gymnasiums mit. Er begann die grausame Realität in seine Kirche symbolisch als selbst gezimmertes Kreuz zu holen (umwickelt mit Stacheldraht und geschmückt mit Blumen) und begann für den Frieden zu beten. Frieden ist Arbeit. Seit 1982 gab es fünf verschiedene  Arbeitskreise (Menschenrechte, Frieden, …), die sich in seinem Gemeindehaus Raum trafen und mit ihm für den Frieden beteten. Als Pastor hatte er ja viel mehr Freiheiten als andere und konnte die Räume der Kirche zur Verfügung stellen. Auf die Fragen der Schülerinnen und Schüler antwortete er:

Ja, da waren Stasimitarbeiter dabei, die wollten etwas anderes, aber alle Anwesenden hatte unterschiedliche Ziele und sie hörten zu. Man muss auf den anderen zugehen, damit er weiß, dass man nicht anderes ist.

Ja, er wurde von der Stasi abgeholt, aber hinterher hat er sich gedacht, ist ja noch mal gut gegangen. Und ja, die 80.000 Demonstranten des 9. November  hatten zum großen Teil nichts mit Kirche am Hut und sie haben an den Friedensgebeten teilgenommen und sind mitgegangen. Er erfand das Format für die  Freiheitsdemonstrationen schon vorher, das genaue Verhaltensanweisung für die Demonstranten enthielt, z.B. wie viel Abstand sie zu Polizeiabsperrungen halten müssen, dass sie keine Polizeiketten durchbrechen dürfen, dass sie nichts werfen dürfen, usw. Das Format begann mit dem Gottesdienst, mit dem gemeinsamen Gebet. Die Demonstrationen waren angemeldet und die Polizei stand vor der Kirche und flankierte den Weg. Der 9. November war nicht die erste. Am 25. September fand die erste große Demo statt, dann waren es 8000, dann 25.000 dann 80.000 Menschen, die nach den Montagsgebeten den Weg durch die Stadt nahmen. Die Montagsgebete mit anschließendem gemeinsamem Weg durch die Stadt war also schon von Seiten der Polizei und der Demonstranten eingeübt. Mit selbstgedruckten Flugblättern (mit einer Matrizenmaschine aus Engelbostel) lud Wonneberger die Menschen in seine Lukaskirche ein.

JSFB6587Schon vorher hat er die jungen Leute in ihrer Meinungsfreiheit unterstützt. So zeigte sich eine Gruppe mit einem Demoplakat, dass aber nur 5 Minuten zu sehen war, bevor es von der Polizei heruntergerissen wurde. Das ist ok, keinen Widerstand leisten, es reicht ein Foto, das dann in der Presse im Westen gezeigt wurde. Wonneberger, der sich mit Fotografie auskannte und Siebdrucktechnik erlernt, um über Bilder zu sprechen, nutzte jede Gelegenheit, seiner Hoffnung auf Frieden mit anerkannten Symbolen Ausdruck zu verleihen. Der Aufnäher Schwerter zu Flugscharen wurde von ihm entworfen. Über Postkarten verschickte er immer doppeldeutig lesbar gestaltete Aufrufe zum Frieden.

Die Schülerinnen und Schüler konnten viel über die friedlichen Formen des Widerstandes von Wonneberger erfahren.

Der Vortrag von Pastor Christoph Wonneberger steht in der Vortragsreihe des Fachbereichs Geschichte vom Gymnasium Langenhagen. Zum Jubiläumsjahr 2017 der Reformation hielt der Philosoph Mark Feuerle den Vortrag: Martin Luther –ein Projekt der Eliten, der Germanist Renatus Deckert hielt im letzten Schuljahr den Vortrag: Der Tag, an dem die Mauer fiel. Mit dem Vortrag von Christoph Wonneberger ist ein noch nicht gebührend gewürdigter Zeitzeuge zu Wort gekommen, der die deutsche Revolution von `89  deutlich geprägt hat. Ihm ist es zu verdanken, dass die Revolution ein friedliches gewaltloses Gesicht bekam.

„mit Gewalt kann man aus freien Menschen gefangene Menschen, aus heilen gebrochene, aus lebendigen tote“

Hier ein Link zum Mitschnitt vom Beitrag, der am Mittwoch (6.11.) 18.45 Uhr bei Antenne Niedersachsen gesendet wurde. Der nächste Beitrag zum Thema kommt am Montag, 11.11.2019 um 18.37 Uhr bei radio ffn.

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Gelesen 67 mal Letzte Änderung am Freitag, 08 November 2019 13:51

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