Schüler:innen des Gymnasium Langenhagens waren der NS-Geschichte auf der Spur und entdeckten auch in Langenhagen Mitmenschen, die aus unserem Eichenpark dem Holocaust ausgeliefert wurden. Im Stadtarchiv Hannover ist ein Registerband durch die Recherche der Schüler:innen gefunden und katalogisiert worden, das die Namen der Deportierten zeigte. Seitdem versuchten wir den Namen eine Persönlichkeit zurückzugeben, indem wir den Lebensweg bis zum Altenheim rekonstruierten und Bildmaterial sammelten. Die Stolperschwellenverlegung war der letzte Höhepunkt des Projekts „Erinnern“. Obwohl die damaligen 10. Klässler, die dieses Projekt begannen und als erfolgreiche Abiturienten in ihr Berufsleben starteten, kamen sie zur Stolperschwellenverlegung zurück. Dort stellten Marit Kappler, Chiara Abbey und Daniel Wierzba einzelne Personen vor, die „von hier aus“ dem Ziel der Ermordung in den KZ überlassen wurden. Die Schülerinnen aus der 8b: Lilith, Hanna, Ivy, Mingh und Fiona lasen die Namen der 30 Deportierten.
Im Anni-Gondro-Zentrum war die Gedenkveranstaltung für einen kleinen Kreis von 50 Personen ausgerichtet. Um aber allen Interessierten die Informationen und einen Ort zum Aufwärmen zu bieten, haben die Mädchen aus der 8b die Gäste an einem Stand mit Heißgetränken begrüßt und versorgt. Musikalisch wurden unser Beitrag mit dem Zupfensemble unter der Leitung von Silvia Schumacher unterstützt, die jüdische Lieder sehr eindrucksvoll präsentiert haben. Das Medienteam aus der 10c hat sich unter der Leitung von Arne Krieger und Jasper Moldenhauer um die Dokumentation gekümmert. Unser Bürgermeister Mirko Heuer war sehr bewegt.
Zum Holocaustgedenktag ist eine Sendung von dem Universitätsradiosender leibniz.fm geplant, der die Vorträge unserer Schüler:innen erneut senden möchte.
„Erinnern - ein langer Weg“
Wir haben es geschafft! Die Verlegung dieser Stolperschwelle war ein langer Weg – mit vielen Herausforderungen. Nicht zuletzt, weil sowohl der Eichenpark Langenhagen als auch die Stadt Hannover als Trägerin des ehemaligen Alten- und Pflegeheims „Feierabend“ betroffen sind. Zwei Städte, zwei Zuständigkeiten – Langenhagen und Hannover. Und damit auch die Frage: Wer darf gedenken? Und vielleicht noch wichtiger: Wer ist aufgerufen, sich von dem Unrecht in unserer Mitte zu distanzieren?
Die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Langenhagen haben diese Verantwortung unmittelbar gespürt, als sie im Rahmen ihrer Projektgruppe „Erinnern“ forschten – nur 500 Meter vom Ort des Geschehens entfernt. Von ihren Klassenräumen im dritten Stock konnten sie das Gebäude fast sehen, in dem das Leid seinen Lauf nahm. Über 40 Schüler:innen arbeiteten 2022 an dem Projekt „Erinnern“. In den Deportationslisten entdeckte die Recherchegruppe die Namen jener Menschen, die „von hier aus“ entrechtet, verschleppt und und in Konzentrationslagern ermordet wurden. Das Organisationsteam richtete zum 80. Jahrestag der Deportation der deportierten Bewohner:innen des Alten- und Pflegeheims Feierabend eine große Gedenkveranstaltung mit über 600 Gästen aus. Sie hatte sich vorgenommen, ein Zeichen gegen die Unmenschlichkeit zu setzen und einen Ort für die Erinnerung zu schaffen.
Im Jugendparlament haben Malte Kruppa, Luis Skrabania und Marlene Rosenbohm aus unserem letzten Abiturjahrgang das Thema „Gedenken“ immer wieder in die politischen Gremien getragen – in Rat und Ausschüsse – und wurden dabei stets offen und wohlwollend unterstützt. Die Bürgerstiftung und Dirk Musfeldt stehen der Projektgruppe „Erinnern“ über den heutigen Tag hinaus zur Seite. Durch die Kooperation mit dem ZeitZentrum Zivilcourage konnte die heutige Verlegung der Stolperschwelle schließlich ermöglicht werden. Nur durch den beharrlichen Einsatz unserer Gymnasiasten und die Zusammenarbeit beider Städte konnte diese Aufgabe gelöst werden. Dem unermesslichen Leid, dem die Bewohner:innen „von hier aus“ ausgeliefert wurden, wird nun an diesem Ort über die Stolperschwelle gedacht. Den betroffenen Menschen widmen wir zudem unser digitales Gedenkbuch Langenhagen – unter gedenkbuch-langenhagen.de. Dort könnt auch ihr mit unseren Quellen, Funden und biografischen Recherchen Texte zum Gedenken schreiben. Zu jeder Biografie besteht eine Kommentarmöglichkeit, damit Angehörige oder Interessierte weitere Informationen beitragen können. Unser Ziel ist es, die Ergebnisse open source zugänglich zu machen – um aus anonymen Namen wieder Persönlichkeiten werden zu lassen und dem Vergessen entgegenzuwirken.
Das Gedenkbuch Langenhagen soll Teil einer lebendigen, wachsenden Erinnerungskultur in unserer Stadt werden. Es ist offen für alle Schulen und Gruppen, die weiterforschen, dokumentieren und erinnern möchten. Auch andere Initiativen und Orte in Langenhagen sollen dort ihre Projekte und Gedenkveranstaltungen präsentieren können. Zurzeit ist das Gedenkbuch noch eine Privatinitiative – doch unser Ziel ist es, dass es künftig ein offizieller Teil der städtischen Webseite wird.
Gelungene Erinnerungskultur erschöpft sich nicht in Denkmälern oder Schriften. Sie lebt davon, dass wir Orte aufsuchen, das Unrecht bewusst wahrnehmen, uns klar vom NS-Regime distanzieren – und der Menschen gedenken, die unter ihm so unermesslich leiden mussten.
Herzlich danken wir dafür, dass wir mit dieser Stolperschwelle Teil der großen internationalen Erinnerungskultur werden dürfen, die auf die Initiative von Gunter Demnig zurückgeht.













